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2012
GESTALTUNGSWETTBEWERB GEDENK- UND INFORMATIONSORT FÜR DIE OPFER DER NATIONALSOZIALISTISCHEN "EUTHANASIE" - MORDE, tIERGARTENSTRASSE 4
Weil jeder Mensch einzigartig ist, ist er Mensch
Der ehemals konkrete Ort mit großzügigem Vorgarten soll in seiner vollen
Bedeutung lesbar werden. Der Zugang geht durch illusionistische
Heckenkulissen, die dem Gedenken an die Opfer u.a. durch die Neuplatzierung
der vorhandenen Gedenkplatte den verhaltenen Rahmen geben. Erst der
Rückweg lässt mit dem Blick hinter die Kulissen erkennen, was hier entschieden
wurde. Der sterile und kalte fugenlos glatte Beton ist beschriftet mit Namen,
Textfragmenten und Informationen, die sich hart und scharf ins Bewusstsein
einschneiden. Hier haben Menschen inmitten einer begrünten Stadt den Tod von
Menschen geplant, um Massenmord beginnend an den psychisch kranken und
behinderten Menschen effizient durchzuführen.
Der Versuch einer bildlichen Darstellung führte den Künstler in das Grauen, in
die Erkenntnis eigener Unfähigkeit, den Opfern durch Gesicht exemplarisch Ehre
zu erweisen. Die Gesichtslosigkeit der Täter, Mitwisser und Profiteure hat eine
ganz andere Bedeutung. Sie kommt aus den Schutzmechanismen einer
Gesellschaft, die sich auf die Unterstellung der Unschuld bis zum justiziablen
Gegenbeweis beruft. Die ungeschützte Öffentlichkeit wird den Opfern überlassen,
nicht den Tätern. In den exemplarischen Portraits soll dies versinnbildlicht
werden. Das BILD verweigert sich als verfügbares Symbol.
Die Information ist zentraler Bestandteil dieses Konzepts. Das WORT auf den
Betonwänden ist sowohl Transmission für den Ahnungslosen in das lexikalisch
strukturierte, vor Ort zugängliche, archivierte Wissen als auch
Assoziationsplattform für den Wissenden, führt ihn im Kopf in die Abgründe des
Geschehens. Die Auswahl der Begriffe, Namen bildet die Verknüpfung zum
Informationssystem über die inhaltliche und typografische Analogie.
Ohne den Anspruch auf Belehrung durch kann der Besucher sich in einer
relativen Intimität allein oder in einer kleinen Gruppe mit den nicht
hierarchisierten Informationen an Bildschirmen vertraut machen. Der freie
Zugang muss bis in alle verfügbaren Archive möglich sein und darf nicht gefiltert
sein. Dazu dienen blick- und witterungsgeschützte Medienstationen.
Autorengemeinschaft
Birgit Hammer – Dörte Foertsch – Frank Dölle – Frédéric Guille – Rainer Wichmann
Mitarbeit
Daniel Siemer – Florian Dölle – Ralf Pawlitzki





